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Schwarzmundgrundel Neogobius melanostomus(Pallas, 1814)




Status

Invasive Art in Europa und Nordamerika.


Aussehen

Die Schwarzmundgrundel hat einen gedrungenen, spindelförmigen Körper mit einem relativ langen und hohen Kopf. Die Maulspalte ist weit und leicht oberständig. Der Unterkiefer steht etwas vor. Nacken, Rücken, Kehle, Bauch, der Ansatz der Brustflossen und der obere Teil des Kiemendeckels sind beschuppt. In einer Längsreihe sind 45 – 57 Kammschuppen vorhanden. Die Bauchflossen sind zu einem Haftorgan miteinander verwachsen. Die Grundfärbung der Schwarzmundgrundel ist hellgrau bis hellbraun. Häufig zieht sich entlang der Seitenlinie eine Reihe länglicher, dunkler Flecken. Am Hinterende der vorderen Rückenflosse befindet sich meist ein schwarzer, oft weiß gesäumter Fleck. Männchen sind zur Laichzeit sehr dunkel bis schwarz gefärbt. Die Körperlänge der Schwarzmundgrundel beträgt maximal 25 cm, das maximale Gewicht liegt bei 80 g.


Verbreitung

www.gbif.org/species/2379089

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Schwarzmundgrundel sind die Küstenbereiche des Schwarzen, Asowschen, Marmara- und Kaspischen Meeres und deren Zuflüsse, vor allem die Donau im Bereich des Deltas, Dnjestr, Dnepr, Bug, Sinope, Donez, der Don bis Rostow und Flüsse in Transkaukasien.

Die Schwarzmundgrundel zählt zu den am weitest verbreiteten invasiven Fischarten der Welt mit inzwischen großen Populationen in den großen Seen Nordamerikas, in europäischen Flusssystemen und in der Ostsee. Wahrscheinlich spielen der Transport im Ballastwasser von Schiffen und Ausbreitungsmöglichkeiten über künstliche Kanäle eine große Rolle bei der rasanten Ausbreitung der Art. In Deutschland findet man sie inzwischen u.a. in Ostsee, Nord-Ostsee-Kanal, Main, Rhein, Mosel, Lahn, Neckar, Oder, Trave, Eider, Weser und Elbe. In den Hamburger Gewässern wurde die Art erstmalig 2008 im Bereich des Hamburger Hafens nachgewiesen. Historische Nachweise der Schwarzmundgrundel aus Hamburger Gewässern existieren nicht. Die bisher bekannten Funde der Art auf Hamburger Gebiet stammen aus dem Elbeabschnitt zwischen Neßsand und Geesthacht.


Lokale Verbreitung


Lebensweise

Die Schwarzmundgrundel ist euryhalin, eurytherm, toleriert geringe Sauerstoffwerte und lebt vorzugsweise benthisch auf strukturreichen Hartsubstraten. Dabei werden aus Blocksteinen bestehende Substrate als Habitat präferiert. Schwarzmundgrundeln laichen von April bis September. Das Gelege wird vom Männchen bewacht. Die Jungtiere schlüpfen nach etwa zwei Wochen. Weibchen werden nach 2-3, Männchen nach 3-4 Jahren geschlechtsreif. Die Nahrung der Schwarzmundgrundel besteht aus Muscheln, Krebsen, Würmern, Insekten, Fischlaich und Fischen.


Bedeutung für das Ökosystem und für den Menschen

Wegen ihrer rasanten Ausbreitungsfähigkeit und schnellen Etablierung in neu besiedelten Gebieten wird die Schwarzmundgrundel als Konkurrent um Raum und Nahrung gegenüber heimischen Arten angesehen.


Ähnliche Arten

Es bestehen Verwechslungsmöglichkeiten mit Koppe (Cottus gobio Linnaeus, 1758),  Flussgrundel (Neogobius fluviatilis (Pallas, 1814)), Nackthalsgrundel (Babka gymnotrachelus (Kessler, 1857)), Kesslergrundel (Ponticola kessleri (Günther, 1861)) und Marmorierter Grundel (Proterorhinus semilunaris (Heckel, 1837)). Im Unterschied zur Schwarzmundgrundel hat die Koppe getrennte Bauchflossen. Flussgrundel, Nackthalsgrundel und Kesslergrundel besitzen keinen schwarzen Fleck auf der vorderen Rückenflosse. Bei der Marmorierten Grundel sind die vorderen Nasenöffnungen röhrenförmig verlängert und ragen über die Kopfvorderkante hinaus.


Publikationen

HEMPEL, M. & THIEL, R. (2015): Effects of salinity on survival, growth, and daily food intake of juvenile round goby Neogobius melanostomus (Pallas, 1814) from a brackish water system. Journal of Applied Ichthyology. 31: 370 - 372

HEMPEL, M. & THIEL, R. (2013): First records of the round goby Neogobius melanostomus (Pallas, 1814) in the Elbe River, Germany. BioInvasions Records. 2(4): 291 - 295

HEMPEL, M., MAGATH, V., NEUKAMM, R. & THIEL, R. (2018): Feeding ecology, growth and re-productive biology of round goby Neogobius melanostomus (Pallas, 1814) in the brackish Kiel Canal. Marine Biodiversity. https://doi.org/10.1007/s12526-018-0854-0:

HEMPEL, M., NEUKAMM, R. & THIEL, R. (2016): Effects of introduced round goby (Neogobius melanostomus) on diet composition, growth and biomass of zander (Sander lucioperca), a main predator in European brackish waters. Aquatic Invasions. 11 (2): 167 - 178

THIEL, R. & THIEL, R. (2013): Atlas der Fische und Neunaugen Hamburgs. Freie und Hanse-stadt Hamburg, Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt. 1 - 170